Amsterdam Machsor

Eine Ikone jüdischer Geschichte kehrt zurück

Amsterdam Machsor ist heimgekehrt

„Der Amsterdam Machsor. Ein Schatz kehrt heim“. Mit der Eröffnung der gleichnamigen Ausstellung präsentiert das MiQua. LVR-Jüdisches Museum Köln seit dem 24. September 2019 im Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud eines der frühesten illuminierten hebräischen Manuskripte. Im Dezember 2017 war es dem Landschaftsverband Rheinland gemeinsam mit dem Joods Historisch Museum Amsterdam mit Hilfe einiger Förderer aus der Wirtschaft – unter anderem auch des Rheinischen Sparkassen- und Giroverbandes – gelungen, den Amsterdam Machsor für die Sammlung zu erwerben.

Der Machsor, im 13. Jahrhundert für die jüdische Gemeinde in Köln hergestellt, kehrt mit der nun eröffneten Ausstellung erstmals seit fünfzig Jahren an seinen mittelalterlichen Ursprungsort zurück. Die Handschrift wird das Herzstück der Sammlung zur jüdischen Geschichte und Kultur im zukünftigen MiQua am Rathausplatz sein. Sie soll zukünftig abwechselnd in Köln und in Amsterdam zu sehen sein. Die aktuelle Ausstellung im Wallraf-Richartz-Museum läuft bis zum 12. Januar 2020.

„Der Amsterdam Machsor bezieht seine Einzigartigkeit aus seinem Alter, den opulenten Schrift-Bild-Darstellungen und seinem Originalzustand, vor allem aber aus der Tatsache, dass er zutiefst mit Köln verbunden ist und den Kölner Ritus, die Gebete und liturgischen Gedichte der jüdischen Festtage, wiedergibt. Es erfüllt uns mit Stolz, dass unser gemeinsames Engagement von RSGV, der Kreissparkasse Köln und der Sparkasse KölnBonn einen veritablen Beitrag leisten konnte, dieses herausragende Kulturgut für das MiQua zu sichern“, so Michael Breuer, anlässlich der offiziellen Ausstellungseröffnung.

 

Michael Breuer bei der Ausstellungseröffnung mit Museumsvertretern und weiteren Förderern

Zum Hintergrund:
Ein Machsor ist ein liturgisches Buch mit Gebeten und hauptsächlich liturgischen Gedichten (Piyyutim) für die jüdischen Feiertage, aus dem der Kantor in der Synagoge vortrug. Der nun im Wallraf-Richartz-Museum ausgestellte Amsterdam Machsor ist ein in mehrfacher Hinsicht außergewöhnliches Einzelstück. Überaus kostbar mit Illustrationen, Schmuckbuchstaben und -wörtern sowie Fabelwesen in leuchtenden Farben, manche sogar mit Gold illuminiert, erhält er seine Bedeutung vor allem durch seine Herkunft: Es ist die früheste jüdische liturgische Handschrift des Mittelalters, die durch ihre liturgischen und kunsthistorischen Details Köln zugeordnet werden kann. Etwa um 1250 entstanden, gelangte das Gebetbuch vermutlich spätestens 1424, als die Kölner Juden endgültig die Stadt verlassen mussten, an einen anderen Ort und ist erst wieder nachweisbar ab 1669. Eine datierte hebräische Notiz in der Handschrift vermerkt die Übergabe des Machsor an die jüdische Gemeinde in Amsterdam, in deren Besitz sich die Handschrift in den folgenden 350 Jahren befand. Der Amsterdam Machsor als zentrales Dokument der jüdischen Kultur des Mittelalters und seine Herkunft aus Köln unterstreichen seinen außerordentlichen Stellenwert für das im Bau befindliche MiQua. LVR-Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln.

 

Kontakt

Dorothée Coßmann
Gesellschaftliches Engagement

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